Bonaventura und Ich

BONAVENTURA ist ein Vorname und bedeutet „gutes Glück“, „gute Zukunft“, „das Gute, das kommt“.

Der Name ist tägliches Programm, denn das ist mein Wunsch für mich, das Geschäft und natürlich für meine Kunden.

Gegründet habe ich mein Geschäft im Februar 2013, zunächst als Nebenjob, seit Ende 2016 betreibe ich es als Hauptjob.

Klein angefangen, war es 2019 geschafft. Ich war angekommen, mein Angebot wurde gut angenommen und ich machte Gewinn.
Das Glück währte nur sehr kurz, denn 2020 krachte Corona mit voller Wucht auf uns ein.

Da ich bisher nur auf regionalen Veranstaltungen und Märkten verkauft habe, waren plötzlich alle Möglichkeiten, Geld zu verdienen, abgeschnitten. Die Kunden waren schlagartig wie vom Erdboden verschwunden. Und rückblickend muss ich sagen, sie blieben weg.

Weil Kunden öfter nach einem Onlineshop fragten, habe ich habe einen eigenen Onlineshop eröffnet, Stunde um Stunde habe ich damit zugebracht, die Produkte zu fotografieren, zu messen, zu wiegen, zu beschreiben und tadaaa … fast nichts verkauft.

Im November 2020 wurden dann auch noch die Weihnachtsmärkte abgesagt. Jetzt bekam ich Panik.
Bereits 1 Jahr ohne Geld und die Aussicht, auch im Dezember nichts verkaufen zu können, war krass.

Das vielversprechende Angebot, Hartz IV zu bekommen, erwies sich als Mogelpackung. In dem Moment, in dem man Coronahilfe fürs Geschäft bekam, wurde Hartz IV eingestellt, weil man das ja privat nutzen kann. (?!) War so von der Regierung nicht kundgetan. Und von Rückzahlung war keine Rede.

Dass die Coronahilfe 2024/25 zurück gefordert wurde, war der Gipfel der Frechheit!

Ich wollte und musste meinen Kunden nahe kommen und habe einen kleinen Laden in Rochlitz gemietet. Nikolaus 2020 habe ich eingeräumt und die Woche drauf war wieder Lockdown. Es war eine Katastrophe!

Nachdem Corona überstanden war, kam der Ukrainekrieg.
Es war wieder alles unplanbar, die Kosten explodierten und Existenzangst machte sich wieder breit.

Da ich trotz allem immer versuche, positiv gestimmt zu bleiben, habe ich mit meinem Ladennachbar die Räume getauscht. Es zogen nun auch die Nähmaschinen mit ein.
10 Jahre von zuhause aus arbeiten war genug. Man ist praktisch immer am Arbeiten und Freizeit und geregelte Arbeitszeiten gab es nicht. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, das zu ändern. Bereut habe ich das nicht.

Den Onlineshop habe ich nach 1 Jahr wieder geschlossen – mit der Erkenntnis, dass das Betreiben eines stationären Geschäfts und zeitgleich eines Onlineshops und das Anbieten auf diversen Plattformen nichts für mich als Allesselbermacherin ist. Es ist an jeder Stelle nur Flickschusterei und es kommt nichts bei rum. Das Projekt eigener Online Shop hat sich als unnütze Zeit- und Geldverschwendung erwiesen. Irgendwie sagte mir mein Bauch schon immer, dass die Kunden lieber auf Plattformen wie Kasuwa, Etsy, Ebay und großem A usw. einkaufen und nicht stundenlang im Netz nach einem einzelnen kleinen Shop suchen. Da machen auch die Kundinnen keine Ausnahme, die erst nach meinem Shop gefragt haben.

Die Geschäfte haben jetzt wieder normal geöffnet und es sind Menschen in der Stadt unterwegs. Es kommen tatsächlich Leute in den Laden, die bis dato noch gar nicht wussten, dass es mich da gibt. Auch Märkte gibt es wieder. Die Anzahl der Marktteilnahmen haben sich bei mir reduziert, denn in der Woche im Laden/der Werkstatt und am Wochenende auf dem Markt, geht nicht. Welche Märkte/Veranstaltungen ich besuche, findest Du hier: MÄRKTE

Mein Geschäft gibt es nun seit über 10 Jahren.
Ich schwanke permanent zwischen durchhalten, alles hinschmeißen, ganz was neues anbieten, was altes wieder aufleben lassen – kurz gesagt, es ist mehr anstrengend, als dass es Freude bereitet.

Ende 2023 führte mich das Leben zu Verpackungen für Geldgeschenke. Die Idee nahm ich mit und habe ich mich dazu entschlossen, Verpackungen für Geldgeschenke anzubieten. Das bedeutete wieder eine ziemlich große Investition für mich.

Das Jahr 2024 ist inzwischen auch Geschichte. Die Geldgeschenke-Idee kommt sehr gut an.

Die Kunden sind froh, dass es mich dafür gibt. Das Vorortaussuchen ist schon etwas anderes, als sich online durchklicken zu müssen.
Allerdings ist die Anschaffung des notwendigen Zubehörs ein kleines Fass ohne Boden … es gibt gefühlte Millionen Schablonen und immer, wenn ich denke, jetzt reicht meine Sammlung, kommt jemand und möchte was ganz anderes …

Dadurch, dass die örtliche Änderungsschneiderin in den Ruhestand gegangen ist, kamen Ende 2024 mehr und mehr Kunden, die Wünsche nach Ändern und Reparieren ihrer Sachen hatten. Die meisten Kunden waren seit Jahren nicht mehr in der Burgstraße und sind erstaunt, wie belebt die Straße wieder ist.

Seit Juni 2025 nehme ich alles, was gereinigt bzw. professionell gereinigt, gewaschen und gemangelt werden kann, für die Blab Textilreinigung Schmölln an.

Ebenso nehme ich alles, was ein Schuster reparieren kann, für den Schuhmachermeister Holger Dimke aus Geithain an. Dazu gehören (selbstverständlich) Schuhe, Rucksäcke, Koffer, Motorradkleidung usw.

Inzwischen versuche ich, die Balance zu finden zwischen Neues nähen für eine Hand voll ausgewählter Kunden/Märkte einerseits und Änderungen/Reparaturen andererseits.

Ich wünschte, die Märkte hätten wieder das Flair von vor Corona.
Jetzt ist es leider so, dass teils viele Besucher kommen, aber keine Kunden. Die viele Arbeit, die Zeit und das Geld, was wir alles in die Vorbereitung, Nachbereitung und in die Märkte selbst, investieren, wird überhaupt nicht mehr gewürdigt. Die Einnahmen decken mit viel Glück gerade so die Kosten. Das macht mich sehr traurig. Ich mache noch genau 2 Kunst- und Handwerkermärkte mit. Dazu 1 regionalen Bauernmarkt

2025 war ein Jahr des Umbruches. Ich habe beschlossen, dass ICH bestimme, was und wie es in meinem Laden passiert.

1 x in der Woche leite ich das GTA Kreativ mit Stoff für die Oberschule An der Mulde Rochlitz. Schüler der Kl. 5-8 kommen zu mir in den Laden. Wir nähen zusammen Sachen, die sich die Schüler selbst aussuchen können. So wird es nie langweilig und es entstehen kleine Kunstwerke.

Für Nähinteressierte biete ich Betreutes Nähen an. Mehr Infos findest Du hier: Betreutes Nähen/Nähcafé

Nun schauen wir, was 2026 bringt….